NoCovid Modellregion Nürnberg – Baustein Kultur

Länder, die sich für die No-COVID-Strategie entschieden haben, stehen heute
in jeglicher Hinsicht besser da als Länder, die versuchen, mit dem Virus zu
koexistieren und lediglich seine Ausbreitung zu verlangsamen. Die Bilder von großen Konzerten und Festivals ins Australien oder Neuseeland sind aber der Beleg: bei sehr niedrigen Inzidenzen ist ein normales Kulturleben wieder möglich. In Portugal konnte dieser Zustand fast im ganzen Land mit einem wirksamen Lockdown über sechs Wochen erreicht werden.

Wir treten daher ein für und mit den Kulturschaffenden für die NoCovid Modellregion Nürnberg.

Die Kulturszene ist von der Corona-Pandemie besonders betroffen: Theater, Opern, Kinos geschlossen. Konzerte und Festivals abgesagt. Für die, die nicht noch eine zweites Standbein hatte oder aufbauen konnten oder z.B. auf Online-Angebote setzen konnten ist die derzeitige Phase der Pandemie quasi ein Berufsverbot. Während z.B. Arbeiterinnen und Arbeiter in Fabriken mit Hygienekonzepten einfach weiterarbeiten, ist das Öffnen von Kulturräumen mit einigen hundert Besuchern derzeit auch bei besten Hygienekonzepten untersagt, sowie kaum wirtschaftlich.

Die Arbeit in der Kulturbranche ist von der Politik dabei für den epidemiologischen Bevölkerungsschutz als weniger wichtig eingestuft worden als Arbeit in Fabriken oder in den Büros der Verwaltungen oder freien Wirtschaft.

Aus epidemiologischer Sicht bei hoher Inzidenz ist dies auch sehr sinnvoll, denn es gehört zum Wesen dieser Pandemie, dass das Infektionsrisiko besonders hoch ist, wenn Menschen in Innenräumen zusammenkommen und solche Erlebnisse zusammen teilen, also das tun, was oft einen wesentlichen Teil des Kulturgenusses überhaupt ausmacht.

Die Kulturschaffenden haben dabei die sie selbst besonders einschränkenden Maßnahmen der Politik mitgetragen. Auch wenn es an der einen oder anderen Stelle sarkastische Bewerkungen zu den kleinen und großen Logikbrüchen der politischen Strategie gab, stand die gemeinsame gesellschaftliche Herausforderung und der solidarische Schutz von denen, die durch eine Erkrankung besonders schwer getroffen werden könnten, dabei immer im Mittelpunkt. Für die, die mit Ihrer Arbeit Menschen begeistern wollen und Freude verbreiten war dies immer eine Selbstverständlichkeit.

Aber auch die Veranstaltungswirtschaft ist einer der größten wichtiger Wirtschaftszweige. Kulturangebote sind ein wesentliches, auch psychologisch wichtiges und identitätsstiftendes Element in unserer Gesellschaft.

Mit einigen wenigen Modellprojekten sollten nun auch bei hoher Inzidenz ausgewählte Kulturveranstaltungen ermöglicht werden. Dies wird aber, auch das zeigt die Erfahrung, nur vereinzelt, über begrenzte Zeiträume hinweg (bis zur nächsten Verschärfung der Maßnahmen oder bis zum nächsten Superspreaderereignis) und mit stark reduzierten Publikumsobergrenzen stattfinden können.

Die Planungsunsicherheit, sprich das Risiko, dass die Veranstaltung kurzfristig abgesagt werden muss, kommt als weiterer Faktor hinzu, der die Aktivitäten an sich, aber auch die Ticketkäufe im Voraus, hemmt. Solange die Infektionszahlen hoch sind oder es immer wieder neue Infektionswellen gibt, ist ein Kulturbetrieb in einem einigermaßen angemessenen Umfang noch für lange Zeit nicht zu erwarten.

Wir alle hoffen und wünschen, dass Kulturveranstaltungen so schnell wie möglich wieder möglich sein sollen. Diesen Weg erreichen wir mit der Strategie der NoCovid Modellregion Nürnberg. Die NoCovid-Gruppe beschreibt die Chancen dieser Strategie für die Kulturbranche in einem Umsetzungspapier: „Die No-COVID-Strategie bietet gerade für den Kulturbereich drei Chancen: Erstens kann damit insgesamt die Niedriginzidenz erreicht werden, die die Voraussetzungen für die Wiederaufnahme eines stabilen Kulturbetriebs mit geringen Infektionsschutzmaßnahmen bietet. Zweitens können in kleineren Grünen Zonen erste lokale Kulturveranstaltungen
stattfinden, bevor sie etwa auf Ebene der Bundesländer oder gar bundesweit möglich sind. Neben einer dadurch erreichten Signalwirkung, die zur Nachahmung der Grüne-Zonen-Strategie motiviert, können Kulturveranstaltungen drittens auch dadurch selbst zur Bekämpfung der Pandemie beitragen, dass ihre Durchführung an umfassende Testkonzepte gebunden wird und dadurch der Anreiz entsteht, eine größere Anzahl von Menschen zu testen.“

Die also zunächst noch weiter notwendigen Einschränkungen bis zur Erreichung der Niedriginzidenz müssen daher mit einer – der besonderen Bedeutung der Kulturschaffenden gerecht werdenden – Wirtschaftsförderung und unkomplizierten und tatsächlichen Ausfallzahlungen kompensiert werden.

Gleichzeitig müssen sich auch bisher nicht so stark in die Pandemieeindämmung eingebundene Branchen an den Maßnahmen zur Absenkung der Inzidenz beteiligen, wie im Baustein Wirtschaft beschrieben. Nur mit einem auf gemeinsamen und konsequenten Maßnahmen beruhenden wirksamen Lockdown kann trotz sehr hoher Inzidenz eine schnelle Absenkung auf die erforderlichen Werte einer „Grünen Zone“ erreicht werden.

Aber auch vor dem Erreichen der Niedriginzidenzen soll Kultur aller Art in der Stadt / in der Region wieder sichtbarer werden. Denn die Menschen unterstützen weitere Maßnahmen vor allem dann, wenn die Perspektive stimmt, wenn sie wissen für welches Ziel sich sich einsetzen.

Zeigen werden wir das mit dem Auftakttagen „Test & Kultur“ einigen Tagen an denen wir die Bevölkerung und Wirtschaftsunternehmen aufrufen, gezielt und massenhaft Schnelltests anzuwenden. Die Wartezeiten überbrücken jeweils lokale Künstler*innen mit Open-Air-Kurzkonzerten.

Testzentren werden in lokalen Kulturstätten eröffnet, dort wo die Menschen in der Nähe sind. Kulturpatinnen werben für das Testen und die Absenkung von Mobilität und Kontakten in der Bevölkerung, insbesondere auch als lokale Paten für andere Kulturen / in anderen Sprachen, um gezielt dort zu werben, wo klassische öffentliche Kommunikation bisher nicht vordringt. So nutzen wir die Reichweite, Vielfältigkeit und Popularität der Subkulturen in unserer Region.

Mit dem Erreichen von einer Inzidenz unter 50 starten wir mit „Kultur für Kinder“ einen weiteren Baustein, um mit einem sehr sicheren Setting einen Funken Kulturbetrieb zurückzubringen. Immer wieder wird betont, dass Kinder von der Pandemie sehr stark betroffen und beeinträchtigt sind. Wir möchten besonders betroffenen Kindern, deren Eltern mit aller Kraft z.B. im Schichtdienst in der Pflege gearbeitet haben oder deren Eltern selbst schwer an Corona erkrankt sind im Rahmen der Aktion „Kultur für Kinder“ kleine Glücksmomente ermöglichen. Für sie bieten ausgewählte Veranstaltungsorte wie Theater, Kinos, Sportstadien oder vielleicht ein Freizeitpark exklusive Veranstaltungen nur im Kreis von Familie und Freundinnen oder Freunden an. So können Kulturschaffende das tun, was sie am meisten lieben, nämlich große Freude schenken und zugleich auch Hygienekonzepte, Laufwege und andere Schutzmaßnahmen für die Wiedereröffnungen testen.

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